Zum Kunstbegriff in der Kunsttherapie
Bereits während meines bildnerischen Studiums der Kunst in den 1980er Jahren war die aufkommende Vielfalt der Medien deutlich spürbar.
Neben der Malerei fanden auch Trickfilm und Fotografie zunehmend Beachtung im künstlerischen Bereich. Darüber hinaus beschäftigte sich die Kunst intensiv mit audiovisuellen Medien und Performance.
Der Kunstbegriff hat sich im Laufe der Jahre so stark erweitert, dass auch der Materialbegriff über die traditionellen Medien wie Pinsel, Farbe und Leinwand hinausgeht. Formen wie Collage, Pop-Art, Aktionskunst, Performances sowie Printmedien, Fotografie, Fernsehen, Video und Film bereichern die Kunst über das klassische Titelbild hinaus.
Interdisziplinare Ansätze und mehrmediale Konzepte prägen unsere Erfahrungen und erweitern den Raum der Kunst. Konzepte wie „Selbstinszenierung“ und „expressive Ausdruckskunst“ gewinnen ebenso an Bedeutung wie neue Medien – alle prägen unsere Bilderwelten. Soziale Medien und Werbung beeinflussen unsere Seh- und Ausdrucksgewohnheiten maßgeblich.
Diese Vielfalt ist Möglichkeit und manchmal auch Überforderung zugleich. Der umfassende Kunstbegriff im therapeutischen Kontext bietet vielfältige
Möglichkeiten zur aktiven Gestaltung und zum persönlichen Selbstausdruck.
In der kunsttherapeutischen Beziehung fungiert Kunst nicht nur als therapeutisches Werkzeug, sondern auch als Raum für persönliche
Entfaltung, Achtsamkeit und Wachstum.
In einem heutigen professionellen kunsttherapeutischen Setting wird Kunst sinnlich ertahren, als Ausdrucksmoglichkeit eingesetzt und kreativitätsfordernd verstanden, um die individuelle Entwicklung und das persönliche Wachstum zu unterstützen.
Kunsttherapie hat das Potenzial, den Zugang zu inneren Ressourcen entscheidend zu aktivieren und somit transformative Prozesse anzustoßen.
(Angelika Overbeck, 2025)
