Die Kernkompetenz der Kunsttherapie ist die Kunst!

In der Kunsttherapie steht die kreative und schöpferische Ausdrucks- und Gestaltungskraft, die jeden Menschen wesentlich ausmacht, im Zentrum der therapeutischen Begleitung. (Mag.art.Harald FRITZ-IPSMILLER,2004)

Kunsttherapeut*innen fördern die grundlegende Ausdrucks- und Gestaltungsfähigkeit des Menschen und begleiten ihn einfühlsam auf seinem kreativen Weg.

Mag.art Harald Fritz-Ipsmiller, Gründer der ganzheitlichen Kunsttherapie und Pionier der Kunsttherapie in Österreich, beschreibt die Kunsttherapie als „Rehabilitation und Wiederherstellung des kreativen, schöpferischen Vermögens zur Lebensgestaltung“.

Ein Alleinstellungsmerkmal der Kunsttherapie ist die therapeutische Beziehung, die als 3-Wege-Prozess gestaltet ist: Therapeutin, Klientin und die kreativ-sinnliche Gestaltung wirken dabei zusammen.

Mit ihrem salutogenetischen Ansatz, der die individuelle Gesundheit fördert und erhält, kann die Kunsttherapie sowohl als eigenständiges Verfahren als auch ergänzend zu anderen Therapieformen eingesetzt werden.

„In der Kunsttherapie steht die kreative und schöpferische Ausdrucks- und Gestaltungskraft, die jeden Menschen wesentlich ausmacht, im Zentrum der therapeutischen Begleitung. Inneres wird sinnlich konkret ausgestaltet, wahrgenommen und bearbeitet. Es wird emotional und körperlich erfahrbar, kommunizierbar und aus sich selbst heraus veränderbar“

(FRITZ-IPSMILLER 2004/1, 1).

Kompetenzbereiche der ganzheitliche Kunsttherapie

Jeder Mensch trägt schöpferische und soziale Ressourcen in sich. Die Kunsttherapie richtet den Fokus auf das kreative Potenzial, das jedem Individuum inhärent ist. Im therapeutischen Prozess werden diese authentischen Ressourcen „durch Wahrnehmungs- und Gestaltungsprozesse, durch schöpferisch-künstlerische Wechselwirkungen und durch Begegnung mit den sinnlichen Eigenschaften und Wirkungen der Gestaltungsmaterialien aktiviert.“ (Mag.art.Harald Fritz-Ipsmiller) Dabei wird die Entfaltung des kreativen Selbst unterstützt, ohne dass es einer künstlerischen Vorbildung bedarf – es steht nicht das künstlerische Produkt im Mittelpunkt, sondern der Weg der Übung, der Prozess und im weiteren Verlauf das bewusste Gestalten des eigenen Lebens aus dem Inneren heraus.

„Der künstlerische Prozeß ist letztlich nichts anderes als ein intimes Selbstgespräch, in welchem der Klient seine ganz eigenen Lebensfragen und –antworten erst einmal zu formulieren beginnt.“

(Mag.art. Harald Fritz-Ipsmiller, 2004)

Die künstlerischen Prozesse fördern eine Entwicklung, die die Selbstregulierung aktiviert, anstatt gezielt gegen Störungen vorzugehen. Im Verlauf des kunsttherapeutischen Prozesses werden unangenehme Empfindungen, belastende Emotionen und hinderliche Denkmuster ausgedrückt. Dabei werden die Wirkkräfte der künstlerischen Medien als konstruktive Lebenskräfte erkannt, die sowohl im Kleinen als auch im Großen eine positive Wirkung entfalten

Kunsttherapeut*innen und deren Kompetenz

Kunsttherapeut*innen vereinen die Fähigkeit, künstlerisch tätig zu sein, mit der einfühlsamen Begleitung von Menschen in ihrer Selbstgestaltung. Ihre Ausbildung umfasst sowohl die künstlerische Praxis bis hin zur eigenen Meisterschaft als auch eine intensive Selbstreflexion, die zu einer reifen und reflektierten Persönlichkeit führt. Mit einem breiten Repertoire an Materialien und Methoden arbeiten sie prozessorientiert und setzen ihr Wissen gezielt ein, um die verschiedenen Zustände im Kontinuum von Krankheit und Gesundheit zu gestalten.

„(…)uns heranzuführen an das Schöne, das Wahre, das Gute von uns selbst“ und „das ist der Beginn der Kunst“

(FRITZ-IPSMILLER, 2011, 8).

So gehen ganzheitliche Kunsttherapeut*innen davon aus, dass jeder Mensch eine einzigartige innere Wesenheit besitzt, die von kreativen und sozialen Ressourcen geprägt ist. Ihre Arbeit orientiert sich an diesen Potenzialen und nicht an Symptomen, Krankheiten oder dem Zustand des Krankseins.

Durch Wahrnehmungs- und Gestaltungsprozesse sowie kreative und künstlerische Interaktionen werden authentische Ressourcen aktiviert. Die Auseinandersetzung mit den sinnlichen Eigenschaften und Wirkungen von Gestaltungsmaterialien trägt dazu bei, potenzielle Anlagen, Fähigkeiten und Ziele zu fördern, wiederherzustellen und zu erhalten – von der kreativen Lebensgestaltung bis hin zur künstlerischen Ausrichtung!

„Der Mensch ist als Naturwesen mit der Kunst, mit den schöpferischen Potentialen der Welt verwandt und verbunden. Dadurch entsteht gleichsam naturgegeben die Möglichkeit der Heilung.“ MARBURG, Prof. Fritz: Rektor der Fachhochschule für Kunst-Therapie, NÜRTINGEN:

Die Kunsttherapie setzt eine fundierte Ausbildung voraus, die sowohl die künstlerische Praxis bis hin zur Meisterschaft als auch eine intensive Selbsterfahrung umfasst, um eine reife und reflektierte Persönlichkeit zu entwickeln. Wie Mag.art Fritz-Ipsmiller es treffend formuliert hat: „Die Ausbildung verlangt sowohl die künstlerische Praxis auf dem Weg zur Meisterschaft als auch intensive Selbsterfahrung im Sinne einer reifen, sich selbst reflektierenden Persönlichkeit.“

Qualifizierte Kunsttherapeut*innen sind in der Lage, kreative Gestaltungsräume zu schaffen und sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen sicher und fachkundig auf ihrem Weg der Heilung zu begleiten.

„Kunst-Therapie verwendet die Medien nicht um anschließend etwas Hervorgekommenes mit anderen Mitteln zu bearbeiten. Dies ist wohl der eigentlichste Unterschied zur Psychotherapie. Wir gebrauchen die Medien nicht, damit etwas hochkommt, das wir dann bearbeiten können. Als „Künstler-Therapeut“ kennen wir jedes einzelne Medium, wir wissen um die Wirkungsweise jeder Kunst-Richtung. Wir haben uns ins Künstlerische selbst eingelassen und wissen was die einzelne Muse mit einem Menschen bewirken kann. Und wir lassen die Musen mit dem Klienten arbeiten. Wir begleiten und lassen die künstlerischen Prozesse selbst wirken.“

(FRITZ-IPSMILLER 1999, 4)

Kunsttherapeutinnen tauchen gemeinsam mit ihren Klientinnen in die Welt der Künste ein. Durch die intensive Beschäftigung mit künstlerischen Mitteln entsteht etwas Einzigartiges – ein Prozess, der ausschließlich durch die Kraft der Kunst selbst angestoßen werden kann.

Kunst betrifft den ganzen Menschen und ist eine eigene Art zu leben. (Mag.art.Fritz -Ipsmiller, 2013)

Fritz-Ipsmiller positioniert die Kunsttherapie als einen Weg, um an das „Ganz-Sein“ anzuknüpfen und um den innersten kreativen Kern des Selbst zu erreichen. Kunsttherapie ermöglicht es, die eigenen Anlagen und Fähigkeiten authentisch auszudrücken und spielerisch zu entfalten. Jede kreative Äußerung hat eine Wirkung.

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Quellen:

  • Fritz-Ipsmiller, Harald: AKT_Ethik_Skript_PositionierungKT.pdf, Originalaufzeichnungen zur kunsttherapeutischen Theorie und Praxis. 1994, 1997, 2004, 2011, 2018.
  • WAGNER, Manfred: Stoppt das Kulkturgeschwätz, Böhlau Wien, 2000

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