Über der Menschheit, über unserer Landschaft und über unseren Mythen und Geschichten liegt eine schwere Schicht aus individuellem und kollektivem Trauma, die weit zurückreichen in der Geschichte
Eine Krise der Entfremdung
Wir leben in einer Welt, die sich in rasantem Tempo verändert – so schnell, dass wir kaum noch Schritt halten können.
Immer mehr Menschen leiden unter Burnout, Depressionen und den Folgen einer tiefen Entfremdung.
Diese Entfremdung zeigt sich in verschiendenen Formen der Abtrennung – der Natur, von unseren Mitmenschen und letztlich von uns selbst.
Das überholte Bild des Menschen als „Krone der Schöpfung“ und die unermüdliche Jagd nach ewigem Wachstum führen uns zudem zunehmend weg vom eigentlichen Sinn des Lebens.
„Wir haben uns weit von einer friedlichen und gerechten Welt entfernt, so weit, dass viele Menschen mittlerweile Gerechtigkeit und Frieden für eine Utopie halten. Sie glauben, dass die Wirklichkeit so ist, wie sie sich derzeit darstellt, und dass es in dieser Welt immer unfriedlich und ungerecht zugehen wird. Das aber sind Annahmen, denen ein falsches Menschen- und Weltbild zugrunde liegt.“ (Hans Peter Dürr)
Wie kann es gelingen, dass wir als ein Menschenwesen, mit einem Herz und einem Gedanken, wieder in der Natur heimisch werden?
Die grundlegende Frage „Wie sind wir Menschen so geworden?“ beschäftigt mich auf unterschiedlichen Ebenen seit vielen Jahren. Das Gedankenspiel wie es wäre, wenn die Menschheit als Klient*in zu mir in die therapeutische Praxis kommt, hat mich dazu gebracht immer weiter zurück zu blicken und das ganze Ge-Schichte zu betrachten.
Es gibt viele Aspekte in dem sehr komplexen Zusammenspiel von Ent-wicklung und Ver-wicklung der menschlichen Art.
In der Geschichte der Menschheit hat das Patriarchat der letzten fünftausend Jahre und mehr den Menschen aus einem egalitären, matrilinearen Gesellschaftssystem herausgerissen hat. Die Frau im speziellen wurde „entmachtet“ und zu einem „Objekt des Besitzes“ gemacht!
Die heute vielerorts geforderte Gleichstellung und die Rehabilitation des Weiblichen in unserer heutigen Gesellschaft, in allen Bereichen des Lebens, sind keine „Gnade“, der wir dankbar entgegenblicken dürfen, sondern eine Not-Wendigkeit für das Gleichgewicht der Welt. Es geht darum, weibliche und männliche Energien in uns und in der Gesellschaft in eine gesunde Balance zu bringen.
Es ist höchste Zeit, die Spaltung und einen trennenden Dualismus zu überwinden, der weitreichendere Auswirkungen hat, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.
Eine Klarstellung
Wir leben in einer zyklischen, polaren Welt und nicht in einer dual getrennten! Gegensätzliche Pole bedingen einander! Es ist an der Zeit die Illusion der Getrenntheit zu entlarven und die daraus entstandenen Wunden zu heilen!
Trost spendet die Erkenntnis, dass die patriarchale Herrschaft, wenn wir den gesamten Lauf der Menschheitsgeschichte betrachten, letztlich nur einen sehr kurzen Zeitraum, einen kurzen Wimpernschlag lang, ausmacht.
Dennoch haben die daraus resultierenden Traumata und Prägungen massive Auswirkungen auf unser Verhalten als Frauen und das Verhalten der Männer – egal wie aufgeschlossen wir auch sein mögen. Vieles davon wirkt nämlich, wie schon erwähnt, nicht bewusst und als epigenitische Speicherung!
“Um unserer Zukunft willen müssen wir zu den matriarchal-mystischen Quellen zurückkehren, um von dort frisches Wasser des Lebens zu holen und unseren Durst nach ganzheitlichem Leben zu stillen” (Jutta Voss)
Das Trauma liegt nicht nur als dicke Schicht über den Menschen, es liegt auch über der Landschaft und es liegt über unseren uralten Mythen!
Sich wieder zu verbinden- mit der Quelle, mit dem Land und dem Landschaftskörper, auf dem wir leben, sich wieder zu verbinden mit der inneren und äußeren Natur und dem URGRUND, der in uns eingefaltet ist, ist für mich ein zutiefst spiritueller Weg!
“Spiritualität bedeutet nicht, sich von der Welt abzukehren, sondern tiefer in sie einzutauchen” (R. Sheldrake)
©LilianFRITZ2026
