„Zu wissen, dass du die Erde liebst, verändert dich, aktiviert dich, sie zu verteidigen, zu schützen und zu feiern. Aber wenn du fühlst, dass die Erde dich im Gegenzug liebt, verwandelt dieses Gefühl die Beziehung von einer Einbahnstraße in eine heilige Verbindung.“
(Robin Wall Kimmerer)
DIE ERDE ALS ATELIER – EINE REISE ZU DEN PIGMENTEN
Die Beschäftigung mit Farben aus Erden und Pflanzen, die alchemistisch anmutenden Prozesse der Gewinnung von Pigmenten und das Arbeiten damit in der eigenen kreativen Praxis ist für mich wie eine inniger Prozess des Verwebens und Verbindens mit der Landschaft, die mich umgibt.
Es ist mehr als die einzelnen Schritte und Handlungen, die ich dabei ausführe und auch mehr, als die Werke, die dabei entstehen…
Die Prozesse des Hinausgehens in „meine Landschaft“, der Begegnung mit Pflanzen, Erden und Steinen, das Arbeiten und Anknüpfen an altem Wissen, das Anwenden von Erprobten sowie die vielen Experimente im Trial-and-Error-Modus sind gelebte Philosophie und gelebte Verbundenheit mit dem Land.
Es ist eine Praxis, die mich immer wieder lehrt, die Welt mit anderen Augen zu sehen und unsere schöpferische Kraft in den Rhythmus der Natur einzubetten. Es ist eine Reise zur Wieder-ent-deckung der Verbindung zwischen unserer eigenen schöpferischen Natur und der Erde selbst.
Und…es ist für mich eine tröstliche Praxis der Selbstfürsorge in herausfordernden Zeiten.
„(…)uns heranzuführen an das Schöne, das Wahre, das Gute von uns selbst“ und „das ist der Beginn der Kunst“
(FRITZ-IPSMILLER, 2011, 8)
Slow Craft
Die Farben liegen oft im Sichtbaren verborgen, direkt unter unseren Füßen und in der Landschaft. Erdpigmente sind im Grunde farbige Erden, Tone und Mineralien, geformt durch geologische Prozesse über unvorstellbare Zeiträume. Jedes Pigment trägt die Geschichte seines Ursprungs in sich: den Druck der Gesteinsschichten, den Einfluss von Wasser und die alchemistische Verwandlung durch Sauerstoff.
Bei der Gewinnung von Pigmenten aus Pflanzen sind wir selbst wie Alchemist:innen!
Wenn wir uns auf den Weg machen, um Farben in unserer Landschaft zu finden, ist es wie eine Schatzsuche, die uns tief mit ebendieser Landschaft verbindet. Wir lernen, die feinen Nuancen im Boden zu erkennen – ein rötlicher Schimmer an einer Böschung, ein gelblicher Ton in einem ausgetrockneten Bachbett. Wir betrachten die Pflanzenwesen aus einer anderen Perspektive.
Das Sammeln selbst ist wie ein Akt der Achtsamkeit und folgt denRegeln der ehrenhaften Ernte.. Es erfordert unsere Präsenz und eine Haltung des Respekts, denn wir nehmen nur in kleinen Mengen und mit tiefer Dankbarkeit.
Dieser Prozess ist die erste Stufe eines innigen Dialogs zwischen Mensch und Materie, eine Geste der Hinwendung.

Die Fertigkeit Pigmente aus dem was die Natur uns schenkt herzustellen, ist für mich wie eine bewusste Entscheidung, dem Material und dem Prozess die Zeit zu geben, die sie benötigen. Es ist für mich wie eine leise Gegenbewegung zur Massenproduktion und zum schnellen Konsum. Wenn wir Farben aus Erde und Pflanzen herstellen, trete ich immer wieder aufs Neue in diese besondere langsame Welt ein und in Beziehung zur der mich umgebenden Landschaft!
©LilianFRITZ2026
