„In der Kunsttherapie steht die kreative und schöpferische Ausdrucks- und Gestaltungskraft, die jeden Menschen wesentlich ausmacht, im Zentrum der therapeutischen Begleitung. Inneres wird sinnlich konkret ausgestaltet, wahrgenommen und bearbeitet. Es wird emotional und körperlich erfahrbar, kommunizierbar und aus sich selbst heraus veränderbar“
(FRITZ-IPSMILLER 2004/1, 1).
Heilung heißt für uns in der Kunsttherapie nicht, das Erlebte und Erlittene ungeschehen zu machen, sondern vielmehr eine Integration dessen. In der Kunsttherapie vollzieht sich diese Integration im Raum der sicheren therapeutischen Beziehung über die Wirkweise der Kunst (Kunst-und Kreativitätsparameter nach H.Fritz-Ipsmiller), über das „Dritte“ in der Kunsttherapie (vgl.P.Sinapius) und über sogenannte Bottom-up-Prozesse.
Bottum-up-Prozesse wirken direkt auf die impliziten Gedächtnissysteme ein, die eng mit dem Hirnstamm und subkortikalen Strukturen verbunden sind.
Wissenschaftliche Forschung, etwa von Bessel van der Kolk („The Body Keeps the Score“), weist darauf hin, dass beispielweise traumatische oder sehr frühe Erfahrungen nicht im expliziten, sprachgebundenen Gedächtnis, sondern als nonverbale, sinnlich verkörperte Eindrücke gespeichert werden – Bereiche also, die dem bewussten Zugriff weitgehend entzogen sind.
Die ganzheitlich Kunsttherapie setzt deshalb gezielt auf sinnliche und körperbezogene Erfahrungen, um diese Schichten des impliziten Gedächtnisses zu erreichen. Dadurch werden Prozesse angestoßen, die unabhängig vom rationalen Verstehen wirksam sein können. so geschieht Integration tatsächlich oft auch leise, ohne Worte – im Stillen!
Die künstlerischen Prozesse ermöglichen weiters ein „beobachtendes Gewahrsein“ – ein achtsames Wahrnehmen beispielweise der eigenen inneren Anteile, ohne sich mit destruktiven Aspekten, Leid oder Krankheit zu identifizieren.
Studien belegen, dass ein solcher Zugang die Fähigkeit fördern kann, Abstand zu belastenden Erfahrungen zu gewinnen und neue Perspektiven zu entwickeln.
Im kunsttherapeutischen Kontext stärken kreative Prozesse nachweislich Resilienz sowie das Gefühl von Selbstwirksamkeit und Kohärenz – selbst, wenn eine Erkrankung weiterhin Teil des Lebens bleibt. So eröffnet Kunsttherapie einen Raum, in dem wir unsere Rolle als schöpferische Gestalter*innen unseres Lebens wiederentdecken und festigen können.
Kunsttherapie ist seit längerem auch im klinischen Setting – etwa in der Geriatrie, der Psychiatrie, der Psychosomatik und der Onkologie – ein sehr geschätzter Bestandteil multiprofessioneller Teams und bereichert den Heilungsweg von Patient*innen und Klient*innen!
„(…)uns heranzuführen an das Schöne, das Wahre, das Gute von uns selbst“ und „das ist der Beginn der Kunst“
(FRITZ-IPSMILLER, 2011, 8).
©LilianFRITZ2026
