Warum es von Bedeutung ist, womit wir Kunst erzeugen

Warum es von Bedeutung ist, womit wir Kunst erzeugen

Ich stelle zum ersten Mal ein Thema, mit dem ich mich seit Langem beschäftige, in einen anderen Kontext… in einen politischen, gesellschaftlichen und in einen, den die Situation unserer Erde schon lange erfordert.

 

Es handelt sich um ein sensibles Thema, das auf verschiedene Weise privat, individuell und persönlich scheint.

Aber, seien wir ehrlich: Was kann in solchen Zeiten schon wirklich persönlich sein?

 

Ja, es sind in der Tat Fragen, die wir uns innerhalb einer bestimmten Blase mit spezifischen Voraussetzungen und entsprechenden Möglichkeiten stellen sollen/können/wollen. Aber eigentlich auch nicht, denn Entscheidungen zu treffen, die über den eigenen Tellerrand hinausgehen, sind nicht immer eine Frage der Möglichkeiten und/ oder der finanziellen Ressourcen.

 

Oh ja, das ist gewagt, aber ich behaupte dennoch, dass uns trotz begrenzter finanzieller und anderer Ressourcen ein Handlungsspielraum bleibt.

 

Also, worüber rede ich jetzt eigentlich…

Ich beziehe mich darauf, dass es von Bedeutung ist, was wir essen, womit wir reisen, wie wir konsumieren, was wir anziehen und entsprechend auch kaufen… Ich spreche davon, dass es mehr gibt als jeden einzelnen von uns, und dass es daher absolut nicht egal ist, womit wir unsere Kunst gestalten.

 

Mit welchen Materialien schaffe ich Kunst?

 

Das klingt jetzt doch etwas extremer als beabsichtigt; ich wollte es nur sanft radikal formulieren (ansonsten verträgt es mein Waage-Aszendent nicht), aber ehrlich…

Nun, da ich die Lebensmitte hinter mir gelassen habe, kann ich vielleicht einfach meine Meinung äußern – auch wenn nicht jede/r damit einverstanden ist.

 

Bitte denkt darüber nach, welche Farben ihr für eure Kunst verwendet… bitte greift nicht zu den günstigsten Leinwänden und Farben beim Discount-Anbieter eurer Wahl, denn ja, es ist tatsächlich so, dass sie zu diesem Preis nur unter extrem schlechten Bedingungen für Mensch und Umwelt hergestellt worden sein können. Und sind daher schädlich für Mensch und Umwelt.

 

Und falls das Argument doch wieder aufkommt, dass man sich das nicht leisten kann… weise ich darauf hin, dass es mit etwas Know-how und Zeit sogar kostengünstiger sein könnte… einige Holzleisten sind rasch zusammen genagelt, und ein altes Leintuch, T-Shirt oder Tischtuch kann aufgespannt als Leinwand verwendet werden.

 

Die Farben, ja, sie selbst zu machen erfordert etwas Zeit und Engagement, aber es ist nicht unmöglich und gelingt dann überall und mit wenigen Hilfsmitteln. Zudem gibt es bereits umweltfreundliche Alternativen aus der Tube zu kaufen. Ja, das stimmt, sie kosten wohl etwas mehr, aber vielleicht gilt dann die Prämisse Qualität vor Quantität?

 

Natürlich ist das ein weiteres sensibles Thema, wie viel Kunst produziere ich?

 

Aber ganz ehrlich, ich persönlich glaube nicht, dass meine Bilder für Jahrhunderte in den Sammlungen internationaler Museen bleiben werden…ich hoffe, dass das eine oder andere schon einen guten Platz gefunden hat und weitere Plätze noch finden werden, aber viele vielleicht nicht und dann entsorgt werden müssen. Meine Werke sind dann, wenn man die Heftklammern aus den Holzleisten entfernt, vollständig kompostierbar.

 

Zugegeben, das klingt jetzt wieder etwas extrem, aber wenn wir bei allem, was wir tun, das große Ganze im Blick behalten, sind solche Überlegungen unvermeidlich.

 

Einen weiteren Aspekt möchte ich noch hinzufügen, den ich bevor ich mich auf meinen persönlichen Weg der alternativen und nachhaltigen Kunstproduktion gemacht habe, nie vermutet hätte. Die Auseinandersetzung mit natürlichen Materialen schafft in jeglicher Form einen völlig neuen Bezug zu etwas davor nicht Beschreibbarem. „Diese Farben haben eine Seele“, so hat es eine Workshop-Teilnehmerin ausgedrückt und das sagt es wohl am treffendsten. So habe ich auf diesem Weg ungeahnte, sinnliche, erfüllende und ganzheitliche Erfahrungen in der Kunstproduktion gemacht, Achtung vor den Materialien und Wertschätzung für alte Techniken gelernt und viel Dankbarkeit für das, was die Natur schenkt und möglich macht.

 

Diese Gedankengänge sind selbstverständlich sehr individuell, ebenso wie die dazugehörigen Entscheidungen. Vielleicht inspirieren diese jedoch den einen oder die andere. Es

existieren auch bereits zahlreiche Optionen, um alternative, ökologische und nachhaltige Kunstproduktion zu erlernen oder weiter auszubauen.

 

Mehr zu diesem Thema kann man aktuell auch hier erfahren:

 

Besucht uns doch bitte gerne im

Pop Up Atelier und Workshop

„From Waste to Colour“

https://wirtschaftsagentur.at/termine-events-workshops/workshop-from-waste-to-colour/

im Rahmen der Klimabiennale

https://www.biennale.wien/

©AngelaOLBRICH2026